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Ulcus cruris 

27. Durchblutungsstörungen
-------27.1 venöse Durchblutungsstörungen
-------------27.1.1 Postthrombotisches Syndrom
-------------27.1.2 Ulcus cruris
-------27.2 arterielle Durchblutungsstörungen

Von den einschlägigen Fachbereichen (Innere Medizin, Chirurgie) ist bisher noch weitgehend unbeachtet geblieben, daß die moderne Schmerztherapie über sehr wirksame und nachhaltige Methoden zur Behandlung eines Ulcus cruris verfügt.

Das Ulcus cruris wird in der Umgangssprache auch als "offene Beine" oder "Beingeschwür" bezeichnet.

Ein Ulcus cruris entsteht auf dem Boden von Durchblutungsstörungen.;

Von einem Ulcus cruris sind Frauen insgesamt häufiger betroffen als Männer. Personen bis zum 40. Lebensjahr erkranken kaum daran. Im Alter steigt die Prävalenz (= Häufigkeit aller Fälle einer bestimmten Krankheit in der Bevölkerung) stark an. So beträgt sie beim Ulcus cruris zum Beispiel ab dem 80. Lebensjahr je nach Studie zwischen 0,87 und 3,38%.

Risikofaktoren für die Entstehung eines Ulcus cruris:

Hauptursache des Ulcus cruris venosum ist die chronisch venöse Insuffizienz, die häufigste Störung des venösen Systems.;
Eine chronisch venöse Insuffizienz besteht, wenn anlagebedingt die Venenwand geschwächt ist und / oder die sog. Venenklappen nicht mehr richtig funktionieren. Dadurch "versackt" das Blut in den Venen und staut sich. Man spricht dann von einer sog. venösen Abflußstörung. Diese Stauung äußert sich in tagsüber zunehmendem Schwere- und Schmerzgefühl sowie in Beinschwellungen.
Eine venöse Insuffizienz liegt vor, wenn der Knöchelumfang morgens und abends um mehr als 1,5 cm differiert.
Bei der klinischen Untersuchung fallen eine Varikosis (= dichtes Geflecht oberflächlicher Krampfadern), eine livide (= bläuliche, fahle) Verfärbung der Haut, Ödem (= Schwellung durch Flüssigkeitsansammlung) und Pigmentstörungen auf.

Die Behandlung der (noch relativ beschwerdearmen) venösen Insuffizienz besteht im wesentlichen in einer Kompression der dilatierten (= erweiterten) Venen (Kompressionsstrümpfe).

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es zu trophischen (= mit Zeichen einer Mangelernährung einhergehenden) Störungen, bedingt durch eine gestörte Mikrozirkulation in der venösen (= die Blutader betreffenden) und arteriellen (= die Schlagader betreffenden) Endstrombahn (Kapillaren). In dieser Situation kann schon eine kleine Verletzung zu einem Bei ngesch wür, einem Ulcus cruris führen. Das liegt daran, daß eine Wunde, auch wenn sie klein ist, nicht mehr zuheilen kann.
Ein Ulcus cruris tritt zumeist in der Innenknöchelregion auf. Aber auch die Außenknöchelregion und im Extremfall der gesamte Beinumfang können betroffen sein. Ein Ulcus cruris in Folge einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) befindet sich häufig nicht an der typischen Knöchelregion, sondern an Druckstellen der Fußsoh len oder der Zehen.

Bei der klinischen Untersuchung fallen bei einem Ulcus cruris eine Varikosis (= dichtes Geflecht oberflächlicher Krampfadern), eine livide (= bläuliche, fahle) Verfärbung der Haut, Ödem (= Schwellung durch Flüssigkeitsansammlung) und Pigmentstörungen auf.

Behandlung des Ulcus Cruris:

Neben einer entsprechenden Wundbehandlung muß die gestörte, lokale (= örtliche) Mikrozirkulation wieder in Gang gebracht werden, sonst kann das Ulcus cruris nicht abheilen.;
Dies gelingt relativ zuverlässig mit einer kontinuierlichen Ischias-Blockade mittels Katheter
(Klatt und Lee ser, Schmerzklinik Bad Mergent heim 1994).;;
Bei dieser Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem Gesäß, den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (= Gewebsumhüllung) ein. In den folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit. In dieser Situation kann dann intensiv krankengymnastisch behandelt werden.;
Da dieser Nerv auch vegetative (= das unwillkürliche Nervensystem betreffende) Fasern mit sich führt, kommt es begleitend im korrespondierenden Gewebebereich zu einer Sympathikolyse (= Aufhebung eines gefäßverengenden Nervenreizes) und damit zu einer deutlichen Mehrdurchblutung, wie sie medikamentös systemisch (= durch eingenommene oder gespritzte Durchblutungsmittel) nie erreicht werden kann.
Als hilfreich hat sich (zusätzlich) eine Infusionsserie mit Lidocain (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte. Man kann Lidocain (2%ig) auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen in die A. femoralis (= Spritzen in die Beinschlagader) verabreichen, so z.B. 2 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 10-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel über die sog. Endstrombahn auch auf die venöse Seite und führt auch dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung bei gleichzeitiger Schmerzlinderung.

Besonders effektiv ist beim Ulcus cruris eine Kombination dieser Blockademethoden mit einer Alprostadil - Infusionsserie.

Wichtig ist natürlich beim Ulcus cruris auch die optimierte Behandlung der Grund- bzw. Begleitkrankheiten (z. B. Zuckerkrankheit) und das Management möglicher Risikofaktoren (z.B. Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Nikotin).

Daß die kontinuierliche Blockademethode gerade bei Durchblutungsstörungen sehr hilfreich ist, konnte im Rahmen einer Doktorarbeit an der Universität Heidelberg nachgewiesen werden: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2000/646/pdf/DOKTOR.pdf (einfach anklicken)

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).

Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle (also auch ältere Patienten) gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden.


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